20.06.2012 von Christian Helms

„Wieder Lustwandeln im Herzogin Garten“ Sächsische Zeitung vom 20.06.2012, S. 7

„Wieder Lustwandeln im Herzogin Garten“, „Im verwilderten Gelände gegenüber dem Zwinger soll die Parkanlage wiedererstehen“,

 „Die Berliner Projektgesellschaft Intertec will dort einen Komplex mit Hotel und Wohnhaus errichten sowie eine Parkanlage anlegen.“

 „Zudem soll die alte Orangerie entsprechend dem historischen  Vorbild wiedererrichtet werden.“

 Soweit die Kernaussagen des o.g. Beitrages von Peter Hilbert. Wer sollte dem so optimistisch dargestellten Vorhaben seine Zustimmung verweigern?

Zum „Lustwandeln im Herzogingarten“:

Im Laufe seiner wechselvollen Geschichte wurde der Herzogin Garten auf ein Fünftel seiner ursprünglichen Fläche reduziert. Von der ältesten und kulturhistorisch wertvollsten Gartenanlage Dresdens blieben nur noch 20 Prozent. Selbst die Planungen nach 1945 und unmittelbar nach 1990 respektierten die verbliebene Fläche. Mit der jetzt vorgesehen Bebauung wird diese Fläche noch einmal halbiert (von 14.000 qm auf 7.000 qm). Wer möchte bei diesem Rest von 10 Prozent der ursprünglichen Anlage noch vom „Lustwandeln im Herzogin Garten“ sprechen? Ganz abgesehen von der Bedeutung innerstädtischer Grünanlagen für das Stadtklima.

Zum „Komplex mit Hotel und Wohnhaus“:

Möglich wird die Bebauung durch einen Deal zwischen dem Freistaat und der Stadt. Das Grundstück des Herzogin Gartens erhielten die Wettiner in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts neben finanziellen Zahlungen für Kunstschätze, die sie dem Freistaat überließen. Für die erforderliche Werterhöhung und den lukrativem Weiterverkauf genehmigte die Stadt entgegen dem bisherigen Konsens die Bebauung des Herzogin Gartens. Im Gegenzug erhielt sie vom Freistaat ein Grundstück, das sie für den Bau des Kongresszentrums am Elbufer benötigte, bei ihrer damaligen Finanzlage vermutlich jedoch nicht erwerben konnte.

Zur Wiedererrichtung der  „alten Orangerie entsprechend dem historischen  Vorbild“:

Entsprechend der Abbildung in der o.g. Ausgabe der SZ sollen von den 21 Gebäudeachsen 12 wiedererrichtet werden. Von den ursprünglich 105 Metern Gebäudelänge wird mit etwa 60 Metern reichlich die Hälfte wieder aufgebaut. Wer möchte da noch von der alten Orangerie entsprechend dem historischen  Vorbild sprechen? Ganz abgesehen von ihrer Nutzung und ihrer äußeren Gestaltung.

Resümee:

Unbeeindruckt von den fachlichen Empfehlungen ihrer Verwaltung, den Gutachten externer Fachleute und den Sorgen betroffener Bürger trifft eine Mehrheit von Kommunalpolitikern immer wieder fragwürdige Entscheidungen für die Stadtentwicklung. Mit geschönten Informationen - wie im o.g. Beitrag in der Sächsischen Zeitung – werden sie dem Leser dann auch noch als erfolgreiche Kommunalpolitik offeriert. Sie werden so öffentlich akzeptiert, vom Wählervotum nicht geahndet, damit letztendlich immer wieder ermöglicht.


 

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