22.10.2010 von Christian Helms, Andreas Friedrich, Jörg Wildoer

Presseerklärung zum Projekt „Kulturkraftwerk Dresden“

Die Lage der Staatoperette am östlichen und des Theaters der Jungen Generation am westlichen Stadtrand gehört – bedingt durch den im II. Weltkrieg nahezu völlig zerstörten Stadtkern – noch immer zu den Nachkriegsprovisorien. Ein der Bedeutung beider Kultureinrichtungen angemessener Standort kann künftig nur die Innenstadt sein.

Zur langfristigen Sicherung des Spielbetriebes wären für beide Einrichtungen erhebliche Aufwendungen nötig. Die Entscheidung, nicht mehr an den gegenwärtigen Standorten zu investieren und damit die Standortprovisorien für die nächsten Jahrzehnte festzuschreiben, begrüßen wir ebenso wie die bisherige Entscheidung des Stadtrates, beide Einrichtungen gemeinsam im ehemaligen Kraftwerk Mitte anzusiedeln.

Mit der damit eingeleiteten Entwicklung der Industriebrache zu einem lebendigen Kulturzentrum gelingt der Brückenschlag vom Stadtzentrum zur Friedrichstadt und darüber hinaus zum Sportforum im Ostragehege und zum Messegelände.

Wenn zu den beiden Theatern noch zusätzliche Interessenten aus der Kreativwirtschaft hinzukommen, dann sind von einem „Kulturkraftwerk“ an diesem Standort weitere wichtige Impulse für die Entwicklung sowohl des Geländes selbst als auch des vernachlässigten städtischen Umfeldes durch weitere Investitionen zu erwarten. Keiner der anderen bisher diskutierten Theater-Standorte besitzt ein vergleichbares Potential an vorhandener Bausubstanz und freien Flächen für künftige Entwicklungen.

 Mit der Verbindung von Operette, Theater der Jungen Generation, Kreativwirtschaft und sich anlagernden Dienstleistungen, Gastronomie, Galerien und künstlerischen Aktivitäten entsteht ein innovatives Gemisch von überregionaler Ausstrahlung und Anziehungskraft. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die alte Baumwollspinnerei in Leipzig.

Will Dresden im Wettbewerb zwischen den Städten Europas seine kulturellen Potenzen weiterhin erfolgreich für seine wirtschaftliche Entwicklung einsetzen, darf es diese einmalige Chance nicht vergeben.

Die Situation von Operette und Theater der Jungen Generation ist über die Jahre durch immer neue Standortdiskussionen bei unzureichend fundierten und zu kurz greifenden Kostenvergleichen immer prekärer geworden. Wir sehen die Gefahr, dass nun unter dem gewachsenen Erwartungsdruck der Öffentlichkeit Fehlentscheidungen getroffen werden, die die außerordentlichen Entwicklungsmöglichkeiten am Standort des Kraftwerkes Mitte blockieren.

Wir appellieren deshalb an die Entscheidungsträger der Stadt, für die Operette und das Theater der Jungen Generation am Standort des ehemaligen Kraftwerkes Mitte festzuhalten und damit den ersten Schritt zu gehen, um die Industriebrache zum „Kulturkraftwerk“ zu entwickeln.

Helms/Wildoer/Friedrich 22.10.10


 

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