09.03.2011 von Christian Helms

Presseerklärung zum Globus–Supermarkt auf dem historischen Leipziger Bahnhof

Mit dem Globus – Supermarkt sollen auf der Fläche des historischen Leipziger Bahnhofs 8800 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. Mit einer Investition von 30 Millionen Euro werden 300 Arbeitsplätze geschaffen – berichtet die Sächsische Zeitung vom 09.03.2011. Statistiken belegen jedoch: Schon heute verfügt Dresden über erheblich mehr Verkaufsfläche je Einwohner als beispielsweise Stuttgart oder München. Mit den im Bau befindlichen und weiterhin geplanten Einkaufszentren ist eine Zuspitzung des Verdrängungswettbewerbes mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung zu befürchten.

Dem steht gegenüber, dass der alte Leipziger Bahnhof von den Museumsfachleuten und der Stadtplanung seit vielen Jahren als idealer Standort für das Verkehrsmuseum favorisiert wird. Zählt doch die Unterbringung des
Verkehrsmuseums, das Gedränge alter Eisenbahnwaggons und historischer Autos unter den Renaissancegewölben des Johanneums zu den Nachkriegsprovisorien der Dresdner Museumslandschaft. Die Empfehlungen einer internationalen
Kommission von Museumsexperten sowie die Museumskonzeption des Freistaates von 2001 sahen deshalb den alten Leipziger Bahnhof langfristig als künftigen Standort für das Verkehrsmuseum vor.

Noch in der letzten „Museumskonzeption 2020 – Kulturland Sachsen“ vom 28.04.2009 heißt es dazu auf Seite 74: „Das Johanneum als authentischer Ort der Dresdner Residenz und langjähriges Museumsgebäude der Dresdner Kunstsammlungen – dies freilich als langfristige Vision nach dem Betrachtungszeitraum ab 2020 – kann diese Wirkung derzeit nur eingeschränkt entfalten. Mit der Nutzung als Verkehrsmuseum fehlt der – sich selbst erklärende Zusammenhang zwischen Gebäude und Sammlung, der nur wieder gewonnen werden kann – beispielsweise für größere Sonderausstellungen der SKD – wenn für das Verkehrsmuseum ein anderer, für dieses Museum authentischer Ausstellungsort realisiert werden kann. (An ein solches für den Leipziger Bahnhof entwickeltes, jedoch nicht weiter verfolgtes Konzept kann als Ausgangspunkt künftiger Überlegungen angeknüpft werden.)“

Auf dem alten Leipziger Bahnhof ist in Verbindung mit dem benachbarten Hafen- und Speichergelände, in zentraler und verkehrsgünstiger Lage an einem traditionsreichen und „authentischem Ort“ die gewünschte Erweiterung um das 6-fache möglich. Hier endete die aus Leipzig kommende, 1839 eröffnete erste deutsche Fernbahn. Hier ist die Zusammenführung und zeitgemäße Präsentation der verstreuten, oft provisorisch untergebrachten Bestände möglich. Darüber hinaus wären hier fruchtbare Kooperationen mit der Deutschen Bahn AG, der Autoindustrie, der Schifffahrt mit ihren historischen Dampfern, den Verkehrsbetrieben oder dem vom benachbarten Neustädter Bahnhof mit der SBahn erreichbaren Flughafen denkbar. Mit dem nun hier geplanten Supermarkt wäre diese großartige Chance für die Dresdner Museumslandschaft ein Opfer kurzsichtigen Denkens.

Entwicklungsforum Dresden, Christian Helms, 09.03.2011


 

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